Manchmal merken wir erst mit der Zeit, wie anstrengend es geworden ist, immer zu funktionieren.
Wir erfüllen Erwartungen, übernehmen Verantwortung, bleiben freundlich, professionell und verlässlich. Nach außen wirkt vieles stimmig. Termine werden eingehalten, Aufgaben erledigt und Entscheidungen getroffen. Innerlich kann jedoch irgendwann das Gefühl entstehen, dass etwas nicht mehr ganz passt.
Viele von uns tragen im Alltag eine Art Maske. Nicht, weil wir unehrlich sind. Oft haben wir einfach gelernt, stark zu sein, uns anzupassen und weiterzumachen. Wir möchten niemandem zur Last fallen, Konflikte vermeiden oder Erwartungen erfüllen, die im beruflichen oder privaten Umfeld an uns gestellt werden.
Eine Zeit lang kann das gut funktionieren. Wir halten durch, organisieren, entscheiden und machen weiter. Vielleicht sogar sehr erfolgreich. Doch irgendwann wird es mühsam, denn auf Dauer kostet es viel Kraft, permanent eine Rolle zu spielen, die nicht mehr passt.
Und irgendwann taucht vielleicht eine Frage auf: Sind wir eigentlich noch ganz bei uns?
Masken abzulegen bedeutet jedoch nicht, plötzlich alles anders zu machen. Es bedeutet auch nicht, ungefiltert alles auszusprechen, was uns gerade durch den Kopf geht, sondern es geht darum, wieder ehrlicher mit uns selbst zu werden.
Dabei kann es hilfreich sein, uns in Ruhe zu fragen, was sich noch stimmig anfühlt. Wo sagen wir Ja, obwohl wir eigentlich Nein meinen? Welche Erwartungen erfüllen wir, obwohl sie uns Kraft kosten? Welche Rolle spielen wir gerade, und passt diese Rolle überhaupt noch zu uns?
Solche Fragen brauchen Raum. Sie brauchen Zeit, Ehrlichkeit und manchmal auch ein wenig Mut, denn wenn wir beginnen, genauer hinzuschauen, begegnen wir nicht nur angenehmen Antworten. Es können Unsicherheit, alte Muster oder auch die Erkenntnis auftauchen, dass manches nicht mehr so passt wie früher.
Genau dort kann jedoch etwas Wichtiges beginnen, denn wenn wir aufhören, uns ständig "zusammenzureißen", entsteht wieder Kontakt zu dem, was echt ist. Unsere Bedürfnisse werden klarer, Grenzen früher spürbar und Entscheidungen stimmiger. Authentisch zu sein bedeutet nicht, immer vollkommen sicher oder konsequent zu sein. Es bedeutet, uns selbst nicht dauerhaft zu übergehen.
Masken abzulegen bedeutet nicht, schwächer, sondern stärker und resilientier zu werden, denn es bedeutet einen Schritt hin zu mehr Klarheit, mehr Echtheit und mehr innerer Ruhe.
Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend.